Weiterbildungs-Experte Jochen Robes: Videobasiertes Lernen ist und bleibt relevant

Er ist einer der bekanntesten Weiterbildungs-Experten im deutschen Sprachraum und lässt über seinen “Weiterbildungsblog” tausende Leser täglich an seinem umfangreichen Wissen über Entwicklungen, Trends und Neuigkeiten teilhaben: Wir haben uns mit Jochen Robes über seine Leidenschaft fürs Thema Lernen, die Verbreitung des Videolearnings und mögliche Wege zu einer neuen Arbeits- und Lernkultur unterhalten.

 

  1. Herr Robes, zum Einstieg ein kurzer „Elevator Pitch“: Was genau machen Sie als Senior Consultant bei der HQ Interaktive Medienarbeit GmbH? Und was ist das Ziel Ihres bekannten Weiterbildungsblogs?

In der gebotenen Kürze: Als Consultant bei HQ unterstütze ich Organisationen bei der Modernisierung ihrer Bildungsprozesse, -angebote und -aktivitäten. Und der Weiterbildungsblog ist mein privates Spielfeld, das ich seit 2003 betreibe, um für mich – und für andere– festzuhalten, was sich auf diesem Feld und an seinen Rändern so tut.

 

  1. A propos – Ihr Weiterbildungsblog hat sehr viele regelmäßige Leser und Sie gelten als wichtigster Bildungs-Blogger Deutschlands. Woher rührt eigentlich Ihre große Passion für die Themen Lernen, Bildung und Weiterbildung? Und würden Sie sich auch als „E-Learning Evangelist“ bezeichnen?

Die Begeisterung für diese Themen hat sich bei mir mit den Möglichkeiten des Internets entwickelt, selbst aktiv zu werden, sich mit anderen zu vernetzen und immer wieder neue, große wie kleine, Projekte anstoßen zu können. Wenn man selbst eintaucht in diese Möglichkeiten, dann lenkt das unweigerlich auch den Blick auf die andere, informelle Seite des Lernens. Man fragt sich natürlich laufend: Welche Plattformen, Tools und Routinen helfen mir, produktiver zu arbeiten? Und was davon könnte auch anderen helfen? Irgendwann ist das Ganze fast ein Automatismus. Und noch sympathischer als „E-Learning Evangelist“ klingt die Bezeichnung „Learning Evangelist“ …

 

weiterbildungsblog.de von Jochen Robes

Bereits seit 2003 ist er am Start und gilt vielen als der wichtigste Blog zum Thema Weiterbildung und Lernen im deutschen Sprachraum: der Weiterbildungsblog von Jochen Robes.

 

  1. Ihr Blog ist nicht zuletzt ein zuverlässiger Indikator für aufkommende Trends. Welche der vielen aktuellen Trends halten Sie für die wichtigsten in den nächsten 5 bis 10 Jahren? Und aus welchen Quellen gewinnen Sie eigentlich Ihren Input über Neuigkeiten und Trends?

Ich glaube, dass wir uns gerade in einer Übergangsphase befinden. Viele der Entwicklungen, die wir heute gerne als Trends aufführen, also das videobasierte Lernen, Mobile Learning, MOOCs oder das Lernen in Communities, sind ja für viele schon gute, alte Bekannte. Hier stecken aus meiner Sicht nicht die großen Überraschungen. Aber die Computerindustrie hält ja schon ganz andere Themen für uns bereit: von der Künstlichen Intelligenz, neuen Algorithmen, dem Internet der Dinge, Robotern und selbstfahrenden Autos, Drohnen, Wearables bis hin zu Augmented Reality und Virtual Reality. Und wenn ich den letzten Ball einmal aufnehme: Um sich vorzustellen, dass Virtual Reality, also das Eintauchen in virtuelle Welten, das Lernen revolutionieren kann, braucht es nicht viel Fantasie, oder?

Zum zweiten Teil der Frage und den Quellen für solche Entwicklungen: Ich lebe aktiv den Information Overload, und dann gilt das Motto: Wichtige Informationen finden mich. Ich glaube, Clay Shirky hat das mal sinngemäß so gesagt.

 

  1. Video is the new text“ – dieser Ausspruch von Josh Bersin wird oft zitiert. Welche Zukunft sehen Sie für den Einsatz für Videolearning, also das Lernen mit Bewegtbild? Welche Entwicklungen und Innovationen zeichnen sich dort ab?

Das videobasierte Lehren und Lernen ist, zumindest im Alltag, schon so verbreitet, dass ich gar nicht weiß, welche großen Entwicklungen hier noch zu erwarten sind. Beziehungsweise, was uns hier noch fehlt.

Natürlich sind Videos noch nicht überall in der Weiterbildung angekommen: Es fehlt an vielen Stellen noch das Wissen um die Palette an möglichen Formen und Formate; es fehlen Know-how und Medienkompetenz; es gibt immer wieder neue Entwicklungen wie z.B. interaktives Video; es gibt die Frage, wie diese Lernformate auf bestimmten Plattformen und Systemen eingepflegt werden können, wie Schnittstellen zu Angeboten im Netz aussehen, wie mit User-Generated Video umgegangen wird und so weiter. Aber Video ist „da“ und bleibt „da“.

 

Was die neuesten Lern- und Weiterbildungs-Entwicklungen angeht, ist Jochen Robes ein vielbeachteter Experte – hier ein Einblick in seinen kürzlich gehaltenen Vortrag zum Thema “Corporate Learning: Themen und Trends. Erfahrungen aus dem CL2.0 MOOC“.

 

  1. Welche dieser vielen neuen Weiterbildungs-Tools, -Technologien und -Inhalte setzen Sie bevorzugt in der Praxis in Ihrem Job als Senior Consultant ein?

Diese Frage muss ich zweigeteilt beantworten: In meiner Beratungstätigkeit komme ich mit den alltäglichen Office- und Kommunikationsanwendungen ganz gut aus. Wenn sich hier etwas verändert hat, dann sind es vor allem die Flexibilität der Zusammenarbeit, der organisationsüberschreitende Austausch von Informationen, der verstärkte Einsatz von Webconferencing-Lösungen, von Adobe bis Skype.

Als Berater in einer Agentur, die Bildungslösungen für Kunden entwickelt, habe ich natürlich auch auf Projektebene mit den Themen zu tun, die heute gefragt sind: vom klassischen Blended Learning über kurze Erklärfilme bis zu Online-Kursen, die heute verstärkt auf Social Learning setzen.

 

  1. Seitens mancher Unternehmen sowie auch seitens einiger Mitarbeiter gibt es nach wie vor Vorbehalte gegenüber E-Learning und Co. Wie kann es denn gelingen, dass auch in diesen Fällen die vielbeschworene „neue Arbeits- und Lernkultur“ langfristig tatsächlich mit Leben gefüllt wird?

Gibt es wirklich noch generelle Vorbehalte? Es gibt leider viele Bereiche, in denen das Thema E-Learning mit Pflichtkursen wie Compliance, Arbeitssicherheit oder Hygiene gleichgesetzt wird. Diese Nuss gilt es zu knacken. Und eine „neue Arbeits- und Lernkultur“ hängt sicher von den konkreten Anforderungen „vor Ort“ ab und ist eingebettet in Arbeitsprozesse, Erwartungen an Mitarbeitende sowie Betriebsvereinbarungen. Das ist vor allem die Antwort auf die Frage „Wie wollen wir arbeiten?“ Die Digitalisierung könnte der neuen Arbeits- und Lernkultur in die Hände spielen.

 

  1. Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Job als Personalchef eines großen Konzerns antreten und hätten freie Hand. Welche drei Schwerpunkte würden Sie setzen?

Also etwas Wunschkonzert in Sachen Arbeiten & Lernen? Dann würde ich nach dem Google-Vorbild –obwohl ich nicht sicher bin, ob es dort heute noch gelebte Praxis ist – allen Mitarbeitenden ein festes Zeitkontingent für eigene Projekte geben; von Adidas würde ich den „New Way of Learning“ übernehmen und Mitarbeitenden ein weites Spektrum an internen wie externen Lernressourcen bieten; und dann würde ich, wo immer es geht, Lerntandems fördern, ob auf Kursebene, ob als Coaching oder Reverse Mentoring verpackt, ganz egal.

 

Unter anderem den innovativen “New Way of Learning” des Sportartiklers adidas hält der Lern-Experte Robes für wegweisend

 

Über Jochen Robes

Der Weiterbildungs-Experte Jochen Robes [(c) privat]

Der Weiterbildungs-Berater und -Blogger Jochen Robes [(c) privat]

Dr. Jochen Robes hat ursprünglich in Philosophie promoviert und ist seit vielen Jahren Berater mit den Schwerpunkten Human Resources/ Corporate Learning, e-Learning, Knowledge Management, Social Media und MOOCs. Seit 2003 betreibt er den vielgelesenen “Weiterbildungsblog” und wurde dafür bereits zum “wichtigsten Bildungsblogger Deutschlands” gekürt sowie mit dem “European E-Learning Award eureleA” ausgezeichnet. Er ist außerdem regelmäßig als Sprecher, Dozent oder als Fachautor aktiv.

Weitere Informationen über seine zahlreichen Aktivitäten gibt es hier.

Jochen Robes ist auch auf Twitter aktiv und viele seiner Vorträge sind bei Slideshare zu finden.

 

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7 Kommentare

  1. Michelle 16. März 2016 6:18 am 

    Ich stimme Ihnen zu, dass E-Learning noch viel verbreiteter sein wird als es heute schon ist und auch in eher traditionellen Umfeldern Fuß fassen wird. Aber muss es immer Video sein? Wie stehen Sie zu anderen Medienformaten, z.B. Text und Audio? Ist das reine Geschmackssache oder gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Videos tatsächlich das effektivste Lehrmedium sind?

  2. Leo Molatore 16. März 2016 10:16 am 

    Hallo Michelle,
    natürlich haben auch andere Formate wie Text und Audio ihre Berechtigung – es kommt immer drauf an, was von wem wie gelernt werden soll. Aber in ein Video ist immer auch Audio eingebunden und allermeistens auch Text, zumindest die wichtigsten Stichworte werden oft eingeblendet.
    Wissenschaftliche Erkenntnisse, wie und warum Videolearning wirkt, finden Sie z.B. in diesem Blog-Beitrag in Kurzform: http://www.pinkuniversity.de/video-learning-blog/wie-und-warum-videolearning-wirkt-8-wissenschaftliche-erkenntnisse/.
    Hier ein exklusiver Fachbeitrag samt Quellenangaben zu dem Thema von Prof. Dr. Riempp: http://www.pinkuniversity.de/video-learning-blog/videotrainings-aus-wissenschaftlicher-sicht/.
    Und letztens hat unser Corporate-Learning-Verantwortlicher Wolfgang Hanfstein einen Vortrag zum selben Thema gehalten: http://www.pinkuniversity.de/video-learning-blog/zukunft-personal-2015-wie-und-warum-videolearning-funktioniert-ein-blick-in-die-wissenschaft/.
    Wir hoffen, Ihnen damit einige weitere, interessante Informationen geben zu können.
    Mit besten Grüßen und vielen Dank für Ihr Interesse!
    Leo Molatore
    Pink University

  3. Michelle 16. März 2016 11:34 am 

    Hallo Leo,
    vielen Dank für die ausführliche Antwort! Ich bin gespannt auf die verlinkten Artikel.
    Schönen Gruß
    Michelle

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