Thomas Sattelberger zum “Vision Forum 2016”: “Digitale ohne soziale Innovationen werden scheitern!” – 2 Karten zu gewinnen

Das “Vision Forum 2016” – ein Innovationskongress “im digital-technisch-sozialen Dreiklang”? Das klingt spannend – und es verwundert nicht, dass einer der Initiatoren und Triebfedern dahinter Thomas Sattelberger ist. “Personaler-Papst”, “HR-Urgestein”, aber auch “männlicher Vorkämpfer der Frauenquote” apostrophierten ihn die Medien. Auch wenn er heute nicht mehr als Personalchef tätig ist, sind seine Meinung und Erfahrung auch heute nicht minder geschätzt. Gerade wegen seiner ehrlichen, gradlinigen und auch kontroversen Art. Sattelberger hat noch viel zu viele gute Ideen, wertvolle Erfahrungen und nicht zuletzt klar definierte Ziele, um einfach von der Bildfläche zu verschwinden. Der Titel seiner – hier bereits besprochenen – Autobiographie Ich halte nicht die Klappe” ist Programm, ein weiteres Buch wurde als “Managementbuch des Jahres” ausgezeichnet.

Wir hatten die Gelegenheit, uns mit ihm ausführlich zu unterhalten – und mehr über seine Projekte, aktuelle Fragestellungen und natürlich den Kongress “Vision Forum 2016” vom 14. bis 15.9.2016 in Berlin zu erfahren. Und unsere Leser können exklusiv zwei Eintrittskarten dafür gewinnen (s.u.) – eine davon ist für Studenten oder Gründer reserviert!

 

Herr Sattelberger, nach einem langen Arbeitsleben verbringen viele Ihrer Topmanager-Kollegen ja den Ruhestand häufig mit Aktivitäten wie Golfspielen oder Städtereisen. Wie kommt es, dass Sie dagegen lieber den „Unruhestand“ gewählt haben und mit so viel Energie für eine bessere Arbeitswelt kämpfen? Was treibt Sie an?

Nun ja, ganz ehrlich gesagt: Die Frage, warum er nach der Pensionierung noch so aktiv und leidenschaftlich arbeiten will, müssten Sie eher einem Stahlarbeiter stellen, der mit 63 Jahren in den Ruhestand geschickt wird. In meinem Fall, als Kopfarbeiter, war es schon immer so, dass Arbeit, insbesondere kreative Arbeit, die Triebkraft für mein gesamtes Leben war.

Und anders als so manch anderer langgedienter Top-Manager bin ich auch nicht zynisch geworden, sondern ganz im Gegenteil sehr optimistisch, dass man Vieles zum Besseren bewegen kann. Und nicht zuletzt spüre ich, dass mein Potential noch nicht ausgeschöpft ist – ich will mein Wissen und meine Erfahrung daher gerne sinnvoll einsetzen!

 

Thomas Sattelberger

Thomas Sattelberger war der lange Zeit mächtigste Personalchef des Landes – und will auch in Zunkunft sein Wissen und seine Erfahrungen sinnvoll einsetzen, wie er betont. [(c) Th. Sattelberger]

Sie sind bereits in vielen Initiativen und Vereinigungen sehr aktiv. Haben Sie noch weitere Pläne?

Ja, denn ich plane, demnächst auch in die Politik zu gehen. Wenn alles klappt, werde ich in München für die FDP bei der nächsten Bundestagswahl kandidieren. Und mein inhaltliches Thema wird „Neue Innovations-, Arbeits- und Bildungswelten“ sein. Denn nicht nur im Arbeitsleben, sondern gerade auch bei der Bildung, angefangen in der Schule, gibt es viel Verbesserungsbedarf!

Meiner Meinung nach sollten wir uns die breitbandige, polytechnische Ausbildung, die es in den Schulen der DDR gab, zum Vorbild nehmen – natürlich inhaltlich an die Bedürfnisse der heutigen Zeit angepasst. Allein, dass die Schüler sehr intensiv mit der Praxis in Berührung kamen, ist beispielhaft. Zudem müssten die Schüler die Digitalisierung als Kulturtechnik erwerben, z.B. mit Praxis-Kenntnissen im Coding.

 


“Start coding – jeder kann programmieren” – das ist auch der Slogan der Kampagne, für die sich zahlreiche prominente Botschafter einsetzen, um möglichst viele Menschen zu ermutigen, die “Sprache des 21. Jahrhunderts” zu erlernen.

 

Stichwort „Digitalisierung“ – am 14. und 15. September dieses Jahres findet ja das „Vision Forum 2016“ in Berlin statt, an dem Sie federführend beteiligt sind und für das unsere Leser exklusiv zwei Eintrittskarten gewinnen können (siehe unten). Worum wird es dort gehen?

Das “Vision Forum” ist ein Innovationskongress, bei dem es um den Dreiklang von Digitalisierung, Technik und Sozialem geht. Es wird der erste cross-sektoraler Innovationskongress Deutschlands sein, sprich: Es hat noch nie etwas Vergleichbares stattgefunden. Mir und der organisierenden ZukunftsAllianz Arbeit und Gesellschaft, deren Vorsitzender ich bin, ist der ganzheitliche Ansatz technologischer, digitaler und sozialer Innovationen auf allen gesellschaftlichen Feldern sehr wichtig.

Besonders erwähnenswert ist, dass es mehrere interaktive Formate innerhalb des “Vision Forums” gibt: Fünf verschiedene HUBs, ein Bürgerforum bzw. Agora mit einem Open Panel und jeder Menge Raum für Dialog und kreativen Austausch. Besonders freue ich mich beispielsweise auf das Education Lab, ein interaktives Zukunfts-Labor, in dem es darum gehen wird, wie Innovationen ins Schulsystem kommen können. Und nicht zuletzt haben wir viele tolle, hochkarätige Referenten.

 

Thomas Sattelberger: “Das BER-Disaster hängt auch damit zusammen, dass die Vision für die Menschen fehlt – die Schweizer zeigen, wie es besser geht”

 

Und was ist die Zielgruppe vom Vision Forum, sprich: Wer sollte die Veranstaltung besuchen?

Ganz einfach: Alle, die sich mit dem Thema Innovation beschäftigen. Und zwar aus der gesamten Gesellschaft, also Lehrer, Gründer, Manager, Politiker, Mitarbeiter aus den verschiedensten Abteilungen und Branchen. Übrigens bieten wir für Menschen, die in sozialen Berufen oder als Gründer arbeiten, einen besonders stark vergünstigten Eintrittspreis an. Schließlich ist es eine Non-Profit-Veranstaltung!

 

Vision Forum 2016 Programm

Vom ehemaligen Schwedischen Arbeitsminister über den Haufe-Chef bis hin zum HR-Chef von Google – das Programm vom “Vision Forum 2016” (hier nur ein kleiner Ausschnitt) verspricht interessanten Input und kontroverse Diskussionen.

 

Wie kommt es denn Ihrer Meinung nach, dass beim Thema Digitalisierung bislang die technische Seite besonders intensiv diskutiert wird, wohingegen die menschlich-soziale Seite jedoch eher außer Acht gelassen wird?

Das Problem hierzulande ist, dass es den Entscheidern vor allem um die Effizienz geht und um Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Grund ist unsere Wirtschaftsgeschichte: Wir sind seit jeher ein Maschinen- und Anlagenbauer-Land, hier herrscht die Denkweise vor, dass jeder als Rädchen im Getriebe funktionieren muss. Was dabei jedoch aus dem Blick gerät, ist der einzelne Mensch.

Denken Sie zum Beispiel mal an die irrwitzige Hängepartie, die wir seit Jahren beim Flughafen Berlin-Brandenburg erleben müssen: Es geht schlicht und ergreifend deswegen bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht voran, weil die Vision für den Menschen fehlt! Also: Welchen Vorteil haben die Menschen und ihre Kinder von diesem neuen Flughafen, welche Vision treibt die Menschen an, die den BER realisieren wollen? Und auch technisch ist es ein Desaster, weil in unserem Land der Ingenieure von Beginn an ein diszipliniertes Projektmanagement fehlte und Manager korrupt waren.

 

Fällt Ihnen ein positives Gegenbeispiel ein?

Ja, wenn ich an ein anderes Großprojekt denke, fällt mir z.B. der Gotthard-Basistunnel ein. Zunächst wurde über viele Jahre hinweg sehr intensiv darüber debattiert und abgestimmt, ob und wie der gebaut werden soll, wodurch ein hoher gesellschaftlicher Konsens für den Bau geschaffen wurde. Und was die Triebfeder für die fast zwei Jahrzehnte dauernde Bauzeit war? Das war die Vision für die Menschen, dass die Schweizer Umwelt dadurch geschont und damit die Lebensqualität aller Menschen gesteigert werden wird.

Bei uns fehlt diese Vision für die Menschen viel zu oft. Wo wir auch Nachholbedarf haben, gerade im Vergleich zur Schweiz, ist das Thema Demokratie. Bei uns verwandelt sie sich immer stärker in eine Elitendemokratie, die direkte Demokratie wird nach und nach verlernt. Die Eliten meinen, das Volk sei einfach zu dumm, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Sie sehen, auch in der Politik fehlt zunehmend die Vision für die Menschen.

 

Thomas Sattelberger: “Der Begriff und die Denkweise von ‘Industrie 4.0’ greift zu kurz und basiert auf dem Silo-Denken von Managern und Ingenieuren!”

 

Kommen wir nochmal zurück zum Thema Digitalisierung – wird denn bei deren Realisierung woanders auf der Welt stärker als in Deutschland auch auf die Bedürfnisse der Menschen geachtet?

Oh ja, denken Sie nur mal an die Gründerszenen in den USA – dort wird, während wir hierzulande von „Digitalisierung“ sprechen, von „Smart Economy“ geredet. Der in Deutschland mit Vorliebe verwendete Terminus „Industrie 4.0“ ist ins Englische eigentlich kaum übersetzbar. Und die digitalen Möglichkeiten werden in Amerika viel häufiger eingesetzt, um global die Lebensqualität von Menschen zu steigern.

Eines von vielen Beispielen ist das sich dort immer stärker verbreitende „Adaptive Lernen“, ob in der Weiterbildung oder in der Schule, wie z.B. in der „School for One“ in New York oder in den Massive Open Online Courses, den MOOCs. Und zum anderen gibt es das Crowd Working, wo Arbeit sozusagen aus der Cloud bestellt wird, meist als dienstleistende Nebenerwerbstätigkeit.

Ich sträube mich daher ganz klar dagegen, immer nur von „Industrie 4.0“ zu sprechen. Das typische Silo-Denken von Managern und Ingenieuren muss überwunden werden. Und auch unser “Vision Forum” hat sich ja wie schon gesagt ganz klipp und klar auf die Fahnen geschrieben: „Innovation Valley, technisch – digital – sozial – STATT Industrie 4.0“.

 

Vision Forum 2016 Angela Merkel Statement

Chefsache: Auch die Kanzlerin hat verstanden, dass disruptive technologische Innovationen nur zusammen mit sozialen Innovationen zum Erfolg werden können [Quelle: Vision Forum 2016]

Welche Gefahr könnte es denn für das Arbeitsleben bedeuten, wenn die Unternehmen bei der Digitalisierung allein auf Technik, Skalenerträge und Effizienz achten, nicht aber auf ihre Mitarbeiter?

Nun ja, ein recht aktuelles Negativ-Beispiel sehen Sie beim VW-Skandal. Die Wurzel des Übels war ja, dass maßlose Effizienz die Richtschnur war und nichts anders. Allgemeiner gesprochen riskieren wir, dass die deutsche Industrie zur verlängerten Werkbank für Digitalkonzerne in Asien und Nordamerika wird. Sprich: Wir stellen das Blech, die Maschinen und Motoren her – aber die anderen wie Amazon, Apple oder Alibaba liefern und erhalten die Daten, das vielbesagte „Öl des 21. Jahrhunderts“.

Überhaupt finden in Deutschland so lebenswichtige Bereiche wie Bildung, Gesundheit und Energie zu wenig Beachtung. Den Brückenschlag zwischen Digitalisierung, Technologie und Sozialem kriegen etwa die Asiaten viel besser hin. Wenn sie beispielsweise Service Robots entwickeln, also intelligente Maschinen, die nicht für die Produktion eingesetzt werden, sondern, um Menschen das Leben einfacher, ungefährlicher und schöner zu machen.

 

Thomas Sattelberger: “Digitalisierungs-Innovationen müssen als Zwillingsschwester soziale Innovationen haben – sonst werden sie scheitern!”

 

Gibt es denn schon Ihnen bekannte Unternehmen, denen es in der Praxis gelingt, bei der Digitalisierung nicht nur auf die Verbesserung der Technik, sondern auch der sozialen Arbeitsbedingungen zu achten? Was machen sie anders?

Klar gibt es positive Beispiele, aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, halte ich nicht viel von Best Practises. Sie glauben ja gar nicht, wie viele deutsche Manager als Wirtschafts-Touristen seit Jahren durchs Silicon Valley geschleust werden. Aber am Ende wird nichts von dem, was sie dort als Best Cases gesehen haben, tatsächlich umgesetzt.

Und überhaupt, dass eine Firma im digitalen Bereich arbeitet, heißt natürlich noch längst nicht, dass sie so eine progressive Arbeitskultur wie etwa Google pflegt. Digitale Schleckers haben wir genauso wie Analoge Schleckers, sprich: Gute und schlechte Arbeitgeber gibt es überall.

Was ich mir daher wünsche, ist, dass Unternehmen erkennen: Technologische Innovationen wie aktuell im Rahmen der Digitalisierung müssen als Zwillingsschwester soziale Innovationen haben – sonst werden sie scheitern! Und wie das in der Praxis realisierbar sein kann, genau darum geht es dann bei unserem “Vision Forum 2016”.

 

Herr Sattelberger, vielen Dank für das Gespräch – und viel Erfolg für das “Vision Forum 2016”!

 


 

Verlosungs-Aktion: Zwei Eintrittskarten zum „Vision Forum 2016“ zu gewinnen!

Und zwar eine reguläre Eintrittskarte (im Wert von 755 Euro) sowie eine Karte, die wir exklusiv an Studenten (bitte einen Nachweis beifügen) oder Gründer verlosen!

Interessenten schreiben uns einfach bis zum 31. August 2016 eine E-Mail mit ihrem Namen und Adresse an gewinnspiel [at] pinkuniversity.de. Ihre Daten behandeln wir selbstverständlich absolut vertraulich und werden diese niemals an Dritte weitergeben.

Wir danken Thomas Sattelberger und den Organisatoren des “Vision Forum 2016” herzlich für das Stiften der beiden Eintrittskarten. Übrigens, für alle Interessenten: Bei einer Anmeldung bis Ende August 2016 gelten noch vergünstigte Eintrittspreise.

 

Vision Forum 2016

 

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5 Kommentare

  1. Alper Cugun 19. August 2016 1:19 pm 

    Die E-mailadresse hier funktioniert nicht.

  2. Leo Molatore 29. August 2016 9:10 am 

    Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert! Die korrekte Adresse ist gewinnspiel@pinkuniversity.de – bis zum 31.8. können Sie sich noch um eine der Karten bewerben!

  3. Sofie 12. Oktober 2016 11:19 am 

    Das finde ich mal eine gute Idee! Jemand in der Politik der auch mal weiß wovon er redet. Unternehmen müssen für Bewerber und Arbeitnehmer attraktiver werden, besonders wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Man darf auch den Faktor demographischer Wandel nicht außer Acht lassen. Somit hat man gleich zwei Faktoren die eine maßgebliche Rolle spielen. Zum Vergleich: https://blog.newsearch.de/new-work/ New Work deckt das Thema auf den Punkt gebracht ab.

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