„Generation Y“ oder „Generation why work?“ Einige Relativierungen aus Sicht der „Null-Bock-Generation“

Generation Y – Phantom oder Wirklichkeit?

Die Generation Y ist zuweilen sehr mit sich selbst beschäftigt.

Sind alle jungen Leute automatisch Generation Y?

Die Generation Y geistert durch die Medien, und wenn man deren Protagonisten glaubt, wird jetzt alles ganz anders. Oder doch nicht? Kathrin Menges jedenfalls, Personalvorstand bei Henkel, musste lachen, als sie im Interview mit dem Human Resources Manager auf die Generation Y angesprochen wurde: „Das scheint eine ganz besondere Generation sein“, meinte sie ironisch. Kein Grund zur Panik also? Glaubt man ihrem Selbstbild, ist die Generation Y vor allem eine, die wertorientiert denkt, nicht um jeden Preis Karriere machen will und sich so gegen die Vorgängergeneration abgrenzt. Statt „leben um zu arbeiten“ wollen sie „arbeiten, um zu leben“.

Die Eltern der Generation Y heißen No Future und Null Bock

Auch die Väter der Generation Y weichen gern der Arbeit aus.

Wer schon etwas länger seine Kreise auf diesem Planeten zieht, erinnert sich vielleicht an die Etiketten, die sich diese vermeintlich arbeitswütige Vorgängergeneration Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre selbst verpasst hat. Die Schlagworte hießen „Null Bock“ und „No Future“.  Weniger Aufmerksamkeit kriegten die „Popper“ ab. Zwar investierten auch die viel Zeit in die Frisur, aber sie waren zu brav und kriegten schnell ihr Fett weg: „Liegt der Popper tot im Keller, war der Punker wieder schneller.“ Nicht zu vergessen die „Müslis“, deren größter Feind der Friseur war, der zweitgrößte die Unterwäsche und der drittgrößte die Atomkraft. Drei Generationen in einer oder was? Definitiv keine davon war arbeitswütig.

Generation why work

Die Arbeitswut kam später. Als Kinder zu versorgen, Häuser und Autos zu bezahlen waren und die ersten Rentenrechnungen angestellt wurden. Politisch wurden sie größtenteils Realos aller Couleur, gesellschaftlich Normalos. Ganz altmodisch marxistisch analysiert, bestimmte das Sein das Bewusstsein und der Kontostand die Arbeitswut. Heute ist das kein Deut anders.

Generation Y ist auch eine Sache von Breiten- und Längengraden

Generation Y ist auch eine Sache von Breiten- und Längengraden

Wer das Studium durch Mieteinnahmen finanziert und schon jetzt durch künftige Erbschaften abgesichert ist, wird wenig Lust verspüren, sich ein Bein auszureißen. „Work-Life-Balance“ hört sich freilich besser an. Mein Eindruck: es ist die „Generation why work?“, die die Debatte bestimmt. In Griechenland oder Spanien dürften die Karten anders gemischt sein, ein gesellschaftliches Stockwerk unter den Hochschulabsolventen ebenfalls – nur hält denen keiner die Mikrophone hin und Blog-Schreiben ist dort auch nicht Hobby Nr. 1.

Alterseffekt schlägt Generationeneffekt

Die meisten Thesen über die Generation Y halten Nachforschen nicht stand

Aufschlussreich in diesem Zusammenhang die Längsschnittuntersuchungen, die Heiko Weckmüller, Professor an der Hochschule für Ökonomie und Management in seinem Buch „Exzellenz im Personalmanagement“  (Haufe 2013) ausgewertet hat. Sein Fazit: Alterseffekte haben einen wesentlich gravierenderen Einfluss auf Werthaltungen und Präferenzen als Generationeneffekte. Als Konsequenz schlägt er eine lebensphasenorientierte statt einer generationenorientierten Personalarbeit vor (S. 108).

Eine stärkere Orientierung an hehren Werten lässt sich bei der Generation Y nicht nachweisen – im Gegenteil

Die Freizeit der einen nährt die Hoffnung auf Einkommen der anderen.

Schon die Römer wussten, dass man sich Freizeitorientierung leisten können muss.

Aufschlussreich auch das Thema „Wertewandel“. Tatsächlich konstatiert Weckmüller der Generation Y eine höhere Freizeitorientierung – stellt diesen Wandel aber in einen handfesten materiellen Kontext, wenn er schreibt „Freizeitorientierung muss man sich leisten können“ (S. 111). Wenig schmeichelhaft für die Generation Y dürften auch folgende Werte sein: Im Vergleich zu den Babyboomern und der Generation X ist die „Bedeutung intrinsischer Werte“ rückläufig und auch „altruistische Motive“ verlieren bei der Generation Y an Gewicht. Auch was die „Bedeutung extrinsischer Belohnung“ anbelangt, erweisen sich die Vertreter der Generation Y im Vergleich zu den Babyboomern schon fast als Materialisten. Nur die Generation X hat stärker zugelangt.

Will die Generation Y also viel Output für wenig Input? Nein, das kann nicht die Lehre sein. Heute wie damals gilt: Es gibt solche und solche. Aufgabe der Personalentwicklung ist es, wie schon immer, die Richtigen zu finden. Und die professionelle Personalauswahl kann man lernen.

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