“Digitalisierte Mitarbeiterentwicklung mit Balance zwischen Technik und Persönlichem ist unschlagbar” – Thomas Eggert im Interview

Er ist unter anderem ein langjähriger HR-Praktiker und Digitalisierungs-Verfechter, gut vernetzt in der Personaler-Szene, vielgelesener HR-Blogger – und aus all diesen Gründen freuen wir uns, dass uns Thomas Eggert nun in einem Interview Rede und Antwort stand.

 

  1. Herr Eggert, zum Einstieg ein kurzer „Elevator Pitch“: Was genau bietet Ihre Firma BEGIS Personalern als Lösungen an, um ihnen die tägliche Arbeit zu erleichtern?

Unser Hauptaugenmerk liegt in der Digitalisierung von Prozessen. Unsere Software EDIB beginnt mit einem hochflexiblen Workflow-System, geht weiter mit einer umfangreichen Dokumentenerstellung und endet bei der digitalen Personalakte. Weiterhin bieten wir auch Systeme zur effizienten Steuerung von Shared Service Centern an. Und unsere Dienstleistung rund um die Digitalisierung von Dokumenten rundet das Portfolio ab.


  1. Sie sind neben Ihrer Geschäftsführer-Tätigkeit unter anderem auch aktiver und bekannter HR-Blogger von noch-ein-hr-blog.de. Drückt dieser leicht ironische Name aus, dass es dieses Blog eigentlich nicht gebraucht hätte – oder was ist Ihre Motivation, regelmäßig zu bloggen?

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Blogger glaubt, ohne seinen Blog gehe es nicht. Dennoch sollten wir das Thema nicht zu verbissen sehen. Da ich mit meinem Blog nicht nur ein spezielles Thema veröffentliche und ich nicht der 176. Recruiting-Blog bin, musste es ein neutraler HR-Name sein. Und so ist noch ein HR-Blog entstanden.

Ich möchte auf dem Blog neben meinem Hauptthema Digitalisierung und Effizienz der Personalarbeit auch andere Themen, die mich persönlich beschäftigen, ansprechen können. Das kann mal das ganze Theater um die Generation Y sein, von dem ich nicht viel halte oder ganz aktuell unsere Blogparade zum Thema HR_for Refugees. Gerade bei dieser Problematik bin ich der Meinung, dass auf Personaler noch eine große Herausforderung wartet und ich möchte zu der Thematik wachrütteln. Ich glaube, es gibt hier bereits viele gute Aktionen, aber wir verstehen es nicht, diese auch zu vermarkten – ganz im Sinne von „Tue Gutes und sprich darüber“.

Auch gebe ich auf meinem Blog Gastautoren die Möglichkeit, Beiträge zu veröffentlichen, und so freue ich mich, dass zum Beispiel Anne Schüller immer wieder bei mir schreibt. Ich selbst schreibe, weil es mir Spaß macht und ich glaube, dass ich mit meinen 30 Jahren Berufserfahrung im HR-Umfeld doch über das eine oder andere berichten kann.

 

Thomas Eggert ist einer der wenigen HR-Praktiker, der auch umfangreiche praktische Digitalisierungs-Expertise vorweisen kann - und sich für das Thema auch besonders stark macht

Thomas Eggert ist einer der wenigen HR-Praktiker, der gleichzeitig auch umfangreiche praktische Digitalisierungs-Expertise vorweisen kann – und sich für das Thema auch besonders stark macht, wie etwa in diesem Artikel

 

  1. Ihnen als Mitglied des Messebeirats der Zukunft Personal ist es mit zu verdanken, dass dieses Jahr dort endlich auch viele einflussreiche HR-Blogger ein Forum erhalten haben. Meinen Sie, dass das Ende der „klassischen“, gedruckten HR-Fachpresse nun langsam eingeläutet wird?

Naja, die Messe hatte parallel dazu schon selbst die Idee, die Blogger-Szene stärker einzubinden. Hier spüre ich in der neuen Führung einen starken Wunsch nach mehr Innovation – und wenn wir ehrlich sind, ist das in vielen Bereichen im HR-Umfeld auch nötig.

Das Ende der klassischen HR-Fachpresse wird aus meiner Einschätzung so schnell nicht kommen. Dies liegt aber an beiden Seiten. Die Fachpresse hat aus meiner Sicht noch keine komplette Lösung für das Thema der neuen Medien. Sicherlich gehen einige Fachmagazine schon interessante Wege über Apps oder die Einbindung von Blogs in ihren Online-Auftritt. Auf der anderen Seite haben wir aber auch viele Leser, die gerne einmal im Monat das gedruckte Exemplar in die Hand nehmen und im Büro, zu Hause oder auch auf Reisen lesen.

Ich glaube aber auch, dass wir insgesamt wegkommen müssen von dieser monatlichen Sicht der Veröffentlichungen, dazu dreht sich unsere Welt inzwischen zu schnell. Und wenn wir uns die Zyklen bei den Zeitschriften anschauen, dann dauert es in der Regel 8 Wochen, bis ein Thema dort angekommen, geschrieben und dann im nächsten Heft veröffentlicht ist. Das wird in Zukunft zu lang sein.

Wir versuchen hier in der Blogger-Szene einen ersten Ansatz zu einem aktuellen Magazin zu starten. Mit unserer App „HR-Blogger by BEGIS“ und der Website www.hr-blogger.de veröffentlichen wir bereits fast 60 HR-Blogs mit ihren Beiträgen. In der App können Sie den ganzen Beitrag auch offline lesen. Auf der teasern wir einen Beitrag an und der Leser kann dann per Klick den kompletten Artikel auf dem jeweiligen Blog lesen. Das ist einfach, aktuell und vor allem kostenfrei. Hier muss die Fachpresse sicher noch Lösungen finden, um diese Möglichkeiten mit einzubinden.

 

Die Seite "HR-Blogger" bietet einen Feed von verschiedenen Personal-bezogenenen Blogs - auch dieses Videolearning-Blog der Pink University ist dort gelistet

Die Seite “HR-Blogger” bietet einen Feed von verschiedensten Personal-bezogenenen Blogs, dieselben Funktionen gibt es in der praktischen, gleichnamigen App (s.u.) – übrigens ist auch unser Videolearning-Blog dort gelistet

 

  1. Auf der Zukunft Personal waren Sie Teilnehmer eines „HR-Battles“ zum Thema „Generation Silberhaar vs. Generation Y“. Müssen sich Unternehmen denn nun völlig umstellen, um für die Digital Natives der „Gen Y“ und die darauf folgende „Gen Z“ attraktiv zu werden und zu bleiben, oder wird das Thema zu Unrecht gehypt?

Wer meinen Blog liest, meine Teilnahme der Talkshow „Fakt ist …!“ beim MDR gesehen oder auch das von Ihnen angesprochene HR-Battle erlebt hat, kennt meine klare Meinung dazu. Da wird etwas gehypt, was es aus meiner Sicht so extrem gar nicht gibt. Ich bleibe auch nach vielen Diskussionen dabei – das entscheidende sind doch die einzelnen Menschen und deren Wünsche, Erfahrungen und Bedürfnisse. Und das kann sowohl von der Lebensphase, aber auch von der elterlichen Prägung, dem Umfeld und vielen anderen Faktoren sehr unterschiedlich ausfallen. Also hört auf, alle über einen Kamm zu scheren und beschäftigt euch mit den Individuen, dann ist dem Thema viel mehr geholfen. Und das Geld, das hier für die Berater ausgegeben wird, sollte besser in eine vernünftige Personalentwicklung gesteckt werden.

 

  1. Nochmal zurück zum Thema Digitalisierung – das ist ja zu Recht DER Dauerbrenner für die Personaler. Woran liegt es, dass sich die HR-Abteilungen gefühlt oft besonders mit dem Thema schwertun? Fehlt es ihnen an Mut, Vision oder Pioniergeist?

Da spielt von allem etwas mit. Zum einen gibt es viele Personaler, die noch sehr administrativ geprägt sind und sich vor allem darum kümmern, dass die Gehaltsabrechnung läuft, die Prozesse sicher und die Arbeitsverträge rechtlich wasserdicht sind. Das andere Extrem sind die Personalentwickler, denen es nur darum geht, die Mitarbeiter zu entwickeln, zu fördern und das Gesundheitsmanagement im Unternehmen zu regeln. Und wie so häufig im Leben, wäre hier der Mittelweg oder eine Mischung aus beiden das richtige. Und wenn das noch durch Unternehmertun ergänzt wird, passt es. Ich habe vor kurzem in einem Beitrag auf meinem Blog über die 6 Gründe geschrieben, warum HR selbst nicht digital wird – und das sind alles Themen, mit denen wir als Anbieter digitaler Lösungen immer wieder kämpfen müssen.

 

Thomas Eggert als HR-Experte in der MDR-Talkshow "Fakt ist ..."

Thomas Eggert als HR-Experte in der MDR-Talkshow “Fakt ist …”

 

  1. Als erfahrener Personaler haben Sie viele Trends kommen und gehen gesehen. Was meinen Sie, was werden die drei bedeutendsten Veränderungen und Herausforderungen für die Personalentwicklung in den nächsten 10 Jahren sein? Welche Rolle werden neue digitale Formen der Mitarbeiterenwicklung wie Videolearning und Co. spielen?

Ich bin überzeugt, dass es sich bei dem Thema Digitalisierung nicht nur um einen momentanen Trend handelt und die Veränderungen noch wesentlich weitreichender sein werden, als wir uns es derzeit vorstellen können. Das betrifft auch die digitalen Formen der Mitarbeiterentwicklung. Und obwohl ich wirklich ein Fan der neuen Medien bin, bin ich davon überzeugt, dass diese neuen Formen die klassische Aus- und Weiterbildung nicht ersetzen können. Sie werden ein wesentlicher, wenn nicht sogar dominierender Faktor sein, aber ohne die zwischenmenschliche Kommunikation wird es weiterhin nicht funktionieren – und ich selbst sage: Gott sei Dank!

Denn so sehr ich selbst auch zum Beispiel Webcasts nutze, so finde ich das Gespräch mit einer Person im direkten Kontakt unentbehrlich. Das kann auch kein Videosystem ersetzen. Und das ist für mich eigentlich die einzige große Herausforderung der nächsten Jahre – wir müssen lernen, die neuen Medien sinnvoll zu nutzen in einer Balance zwischen Technik und Persönlichkeit. Und hier gibt es noch viel zu tun!

 

  1. Angenommen, Sie hätten als Personalvorstand in einem großen Konzern freie Hand. Welche drei Schwerpunkte würden Sie setzen? 

In diesem Fall gibt es für mich nur zwei Schwerpunkte: Die Digitalisierung vorantreiben, um Freiräume zu schaffen und diese dann nutzen, um den direkten Kontakt zwischen den Menschen wieder zu erhöhen. Wenn wir hier die richtige Balance finden, sind wir unschlagbar.

 

 

(c) Thomas Eggert

(c) Thomas Eggert

Über Thomas Eggert

Thomas Eggert beschäftigt sich schon seit fast 3 Jahrzehnten mit dem Thema Personalarbeit: Zunächst als Personalmanager, später als Partner der Personalmanager – derzeit als Geschäftsführer bei der Firma BEGIS GmbH. Er ist in verschiedenen Gremien tätig, u.a. im Beirat der Zukunft Personal.

Als vielgelesener Blogger von „noch ein HR-Blog“ sind seine Themen sind vor allem das operative Personalmanagement, das neben den Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert sowie die Effizienz in modernen Personalabteilungen. Auch auf Twitter ist Thomas Eggert sehr aktiv.

Besonders praktisch ist die Übersicht über alle deutschsprachige HR-Blogs, die er unter http://hr-blogger.de/ anbietet sowie die kostenlose App „HR-Blogger“ (für Android- und Apple-Geräte), die es ermöglicht, diese unterwegs und auf Wunsch auch offline zu lesen.

 

Und hier gibt es die kostenlose HR-Blogger-App:

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