Corporate MOOCs: 3 Argumente dafür und 3 Tipps für die Umsetzung

Corporate MOOCs: Wieder ein neues Buzzword? Oder das „next big thing“? Dabei könnten Kritiker sogar argumentieren: „Corporate MOOCs – das gibt es im Wortsinn eigentlich gar nicht!“

 

MOOCs: Definition & Ursprung

Aber der Reihe nach: MOOC steht für „Massive Open Online Course“ – also zu Deutsch ein „Massiver offener Online-Kurs“. „Massiv“ bezieht sich auf die sehr hohen bzw. sogar unbegrenzten Teilnehmerzahlen; „open“ heißt je nach Interpretation, dass jeder registrierter Nutzer per Internet am MOOC teilnehmen kann oder sogar, dass er dies kostenlos tun kann – und das ist natürlich im Herkunftsland USA, wo eine Hochschulausbildung sehr kostspielig ist, ein großer Erfolgsfaktor. Und „online“ durch die Abrufbarkeit im Netz.

MOOCs stammen ursprünglich aus der Universitätswelt. Bei den ersten MOOCs wurden Universitätsveranstaltungen wie z.B. Vorlesungen oder Seminare auf Video aufgezeichnet und dann online zur Verfügung gestellt – fertig war das MOOC. Teilweise bestand ein MOOC auch einfach aus einer Live-Übertragung von Vorlesungen.

 

MOOC - jeder Buchstabe dieses Akronyms kann in der Umsetzung eine andere Interpretation haben (Quelle: Mathieu Plourde, http://www.flickr.com/photos/mathplourde/8620174342/sizes/l/in/photostream/)

MOOC – jeder Buchstabe dieses Akronyms kann in der Umsetzung eine andere Interpretation haben (Quelle: Mathieu Plourde, http://www.flickr.com/photos/mathplourde/8620174342/sizes/l/in/photostream/)

 

MOOCs: Herausforderungen & Weiterentwicklungen

Doch es zeigte sich bald, dass bei dieser Art von MOOCs die Aufmerksamkeitsspanne am Bildschirm deutlich niedriger ist als bei einer Live-Veranstaltung und daher die Abbrecherquoten in die Höhe schnellten. Dass nur 10% der Teilnehmer das gesamte MOOC bis zum Ende durchziehen, inklusive aller Prüfungen, gilt gar nicht mal als ein schlechter Wert.

Aufgrund dieser Negativ-Erfahrungen wurde das Format MOOC weiterentwickelt und verbessert: Vorlesungs-Inhalte werden nicht 1:1 zur Verfügung gestellt, sondern vorher didaktisch aufgearbeitet und redaktionell bearbeitet und gekürzt. Ein gutes MOOC enthält typischerweise auch zusätzliches Lesematerial zur Vor- und Nachbereitung, Aufgaben oder Foren, in denen sich die Lernenden und Lehrenden untereinander austauschen können. Trotzdem sind die Abbrecherquoten im akademischen Bereich weiterhin hoch.

Diese Erfahrungen haben beispielsweise den MOOC-Pionier Sebastian Thrun, zuvor Stanford-Professor und Google-Vizepräsident, dazu bewogen, eine radikale Kehrtwende mit seinem Unternehmen Udacity hinzulegen: Ende 2013 gestand er in einem Interview ein, dass seine Firma ein „lausiges Produkt“ habe und in Zukunft auf kostenpflichtige, berufliche Weiterbildung setzen werde – darüber hatten wir in einem früheren Blog-Eintrag bereits berichtet.

 

MOOCs go Corporate

Damit folgte er einem Trend bzw. begründete ihn mit – denn tatsächlich hat nun auch die Unternehmenswelt die Vorteile der MOOCs entdeckt. Das mächtige Wirtschaftsmedium Forbes ist der Meinung, dass MOOCs das Corporate Learning langfristig revolutionieren werden. Auch der wichtige Corporate-Learning-Vordenker Josh Bersin zeigt eindrucksvoll die zukünftige Bedeutung von Coroporate MOOCs auf.

In der Praxis besteht ein Corporate MOOC meist zu einem wesentlichen Teil aus Vorträgen oder Vorlesungen von Experten des jeweiligen Themas, die auf Video aufgezeichnet und dann den Mitarbeitern online bzw. im Intranet zur Verfügung gestellt werden. Außerdem umfasst ein Corporate MOOC weitere Lern-Materialien und -Tools wie z.B. Texte zur Vor- und Nachbereitung, Übungen und Quizzes zur Vertiefung sowie Communities oder Chats, in denen sich die MOOC-Teilnehmer untereinander oder auch mit den Experten über die Lerninhalte austauschen können.

Die ursprüngliche Bedeutung von MOOCs ist bei Corporate MOOCs, also von Unternehmen zur Schulung der Mitarbeiter durchgeführten MOOCs, natürlich nicht mehr gegeben: Teilnehmen können nur (bestimmte) Angestellte des Unternehmens, sprich: Das Corporate MOOC ist weder „massiv“ noch „offen“. Da der Begriff „MOOC“ sich aber bereits im Sprachgebrauch und der E-Learning-Szene etabliert hat, ist der inhaltlich eigentlich widersprüchliche Terminus „Corporate MOOC“ entstanden.

 

Die ursprüngliche Bedeutung von "MOOC" passt auf "Corporate MOOCs" eigentlich nicht mehr (Quelle: Josh Bersin, Deloite: http://www.slideshare.net/UdemyforOrganizations/the-emergence-of-moocs-39723008)

Die ursprüngliche Bedeutung von “MOOC” passt auf “Corporate MOOCs” eigentlich nicht mehr (Quelle: Josh Bersin, Deloite: http://www.slideshare.net/UdemyforOrganizations/the-emergence-of-moocs-39723008)

 

Warum sollten sich Unternehmen näher mit Corporate MOOCs beschäftigen?  Hier sind drei aus unserer Sicht sehr wichtige Gründe:

 

3 Argumente für Corporate MOOCs

  • Gemeinsam lernen, aber im eigenen Tempo

Mitarbeiter von Corporate MOOCs befassen sich gemeinsam mit einem Thema und schauen dieselben Videos an, lösen die gleichen Aufgaben und diskutieren miteinander, ob im persönlichen Austausch oder in Online-Foren. Trotzdem aber kann jeder in seinem ganz individuellen Tempo lernen und Inhalte nach Bedarf wiederholen.

 

  • Flipping the Corporate Classroom

Das Prinzip hat sich bewährt: Das theoretische Wissen kann man sich durch geeignete Medien wie Videotrainings im Selbststudium aneignen. Die wertvolle – weil begrenzte – gemeinsame Präsenzzeit, ob im Seminarraum oder im Virtual Classroom, kann man viel besser zum gemeinsamen Diskutieren, Vertiefen und praktischen Anwenden des gelernten Wissen nutzen.

 

  • Demokratisierung des Lernens

Im Vergleich zu reinen Präsenzversanstaltungen sind Corporate MOOCs nicht nur nachhaltiger, sondern auch kostengünstiger – allein schon deshalb, weil die „indirekten Kosten“ wie Anfahrt, Aufenthalt und Verpflegung wegfallen. Daher können bei einem gegebenen Weiterbildungs-Budget dank Corporate MOOCs mehr Mitarbeiter in den „Genuss“ von Wissen kommen, und nicht nur ein kleiner, exklusiver und elitärer Kreis von Führungskräften. Nicht zu vergessen der große Vorteil gerade für international agierende Firmen: Unabhängig von dem Standort kann wichtiges Wissen vermittelt werden!

 

Worauf sollte nun aber ein Unternehmen achten, wenn es einen Corporate MOOC plant?

 

 

3 Tipps für erfolgreiche Corporate MOOCs

  • Die Mitarbeiter bereits frühzeitig einbinden

MOOCs sind noch ein neues Medium. Indem man die Mitarbeiter – und natürlich auch den Betriebsrat – frühzeitig informiert und einbindet, kann man mögliche Widerstände, die durch Un- oder Halbwissen erzeugt werden, von vornherein vermeiden und die Teilnehmer stattdessen für das Corporate MOOC begeistern. Denn der individuelle Lerneffekt hängt von der Motivation jedes Einzelnen ab! Die Einbindung geht dann aber auch während des MOOCs weiter: Teilnehmer sollten motiviert werden, eigene Fragen, Vorschläge und Anwendungsbeispiele für die Praxis einzubringen.

 

  • Auf Langfristigkeit achten

Genauso wie jede Weiterbildungs-Maßnahme sollte ein Corporate MOOC auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit angelegt sein, damit der Lerneffekt nicht wieder bald verpufft: Die MOOC-Plattform mit ihrem Lern-Forum oder -Wiki sollte entweder auch nach dem offiziellen Abschluss des Corporate MOOC abrufbar sein oder aber die Ergebnisse detailliert zusammengefasst und gut verschlagwortet werden und langfristig abrufbar sein. Damit ist die Brücke zum Wissensmanagement geschlagen.

 

  • Mit Profis zusammenarbeiten

Auch der anfangs motivierteste Mitarbeiter wird schnell abgeschreckt, wenn das MOOC-Lernkonzept halbgar ist oder die verwendeten Lernvideos Schwächen in Ton oder Bild zeigen. Daher nur mit professionellen Anbietern zusammenarbeiten, die nicht nur in puncto Didaktik und Technik Erfahrung vorweisen können, sondern die Inhalte gut verständlich, interessant und motivierend aufbereiten und ein durchdachtes Konzept entwickeln können.

 

Wenn Unternehmen diese wichtigen Tipps beachten, dann kann die Reise losgehen – auf in ein neues Wissens- und Lern-Zeitalter!

 

Corporate MOOCs bedeuten auch: Auf neue Wege zum Wissenserwerb gelangen! (Quelle: Thierry Ehrmann, https://www.flickr.com/photos/home_of_chaos/11649925694/in/photostream/)

Corporate MOOCs bedeuten auch: Auf neue Wegen zum Wissenserwerb gelangen! (Quelle: Thierry Ehrmann, https://www.flickr.com/photos/home_of_chaos/11649925694/in/photostream/)

 

Weitere Quellen zur Vertiefung:

 

Die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie von Josh Bersin (Deloitte) zum Thema:

http://www.slideshare.net/UdemyforOrganizations/the-emergence-of-moocs-39723008

 

Jeanne Meister, Forbes: „How MOOCs Will Revolutionize Corporate Learning And Development“

http://www.forbes.com/sites/jeannemeister/2013/08/13/how-moocs-will-revolutionize-corporate-learning-development/

 

Jeanne Meister, Forbes, illustriert den Einsatz von Corporate MOOCs anhand des Beispiels von Adidas:

http://www.forbes.com/sites/jeannemeister/2014/07/21/a-new-way-of-working-and-learning-adidas-style/

 

Mehrere lesenswerte Beiträge vom Experten Michael L. Höfer gibt es hier:

https://mlhoefer.wordpress.com/category/corporate-mooc/

 

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