14 Top Trends im Bereich des Digital Learning

Digital Learning verändert die Arbeitswelt

Vor ein paar Tagen veröffentlichte Christopher Pappas auf elearningindustry.com einen interessanten Artikel über die 14 Top Trends im Bereich der Lern-Management-Systeme (LMS). Meines Erachtens leistet der Beitrag mehr, denn er zeigt grundlegende Trends im Digital Learning auf. Ich stelle die 14 Punkte deshalb hier gekürzt, kommentiert und frei übersetzt vor.

Eine Anmerkung vorweg. Einige Unternehmen sind, was die Einrichtung von Digital Learning Environments angeht, nahezu vorbildlich aufgestellt, wie zum Beispiel Adidas. Bei anderen machen wir, wenn es um die Implementierung unserer Videotrainings geht, beispielsweise die Erfahrung: „Uuups – die Rechner unserer Mitarbeiter haben gar keine Soundkarte …“ (es handelte sich um ein großes  Finanzinstitut!) In diesem Fall heißt es: Close the gap!

Darauf kommt es in Zukunft an:

Kurzer Blick in die Zukunft des digitalen Lernens

Kurzer Blick in die Zukunft des digitalen Lernens

1. Mobile Learning – Das Lernen lernt laufen
Mobile Learning ist der Mega-Trend im Bereich des digital learning, der längst kein Trend mehr ist, sondern Realität. Pappas verweist auf eines der Buzz-Words des letzten Jahres, auf „BYOD“ – „Bring your own Device“. Mittlerweile ist klar, dass diese Devices auch für das Lernen genutzt werden wollen. Voraussetzung ist natürlich, dass Unternehmen mobile Services bieten und die User nicht mit Google und Youtube alleine lassen.

2. Content Reusability – Auf Schatzsuche im Datenkeller
In vielen Unternehmen schlummern wahre “Lern-Schätze” unentdeckt in den Tiefen der IT. Jetzt werden diese Schätze zur wiederholten Nutzung ans Licht geholt – Pappas sieht die Zeit reif für LMS, die den Content nicht nur auf den lokalen PC bringen, sondern ins Web und auf Mobile Devices.

3. Talent Management – Testen, bis der Betriebsrat kommt
Was online gemacht wird, kann auch gemessen werden. Die Optionen sind klar: Stärken und Schwächen von Mitarbeitern können durch schlaue LMS ausgelesen und für das Talentmanagement verwendet werden. Die Mitarbeiter werden künftig je nach individuellem Bedarf mit genau passenden (Micro-)Learning-Einheiten beliefert. Pappas kommt aus einem anderen Kulturkreis und so fehlt hier der Hinweis, bei solchen Operationen unbedingt den Betriebsrat mit ins Boot zu holen.

4. Cloud-based LMS – Weiterbildung in der Wolke
Auch die Weiterbildung wandert in die Cloud, denn die ist, so Christopher Pappas, „a powerful tool that can advance the educational system, by cutting costs and expanding accessibility”. Das Stichwort heißt Ubiquität – also „Immer- und-überall-Verfügbarkeit“ von Weiterbildung.

5. No Vendor Lock – Knebelverträge auf den Müll
Pappas sieht einen Trend hin zu Open Source LMS. Diese ermöglichen den Unternehmen die Anpassung und Individualisierung bestehender Systeme. Ergebnis seien mehr Flexibilität und Service-Kontinuität – und weniger Ausgeliefertsein an Hersteller-Launen.

6. Emphasis on User Experience – auf die Anwenderfreundlichkeit kommt es an
Wer würde es bestreiten wollen: Viele LMS verbreiten den Charme der allerersten Computertage, in denen Programmierer auch fürs Design verantwortlich waren. Mit dem Ergebnis, dass E-Learning-Programme in vielen Unternehmen unter dem Entsetzensschrei „iiiii – Learning“ schnell wieder geschlossen wurden. Heute spielt die „User Experience“ (Pappas nutzt das Kürzel „UX“), also die hohe Nutzerfreundlichkeit, eine Schlüsselrolle und verlangt den Digital-Learning-Profis einiges ab.

7. Personalized Learning – oder gar kein Learning
Eine verbesserte User Experience bedeutet auch, den Nutzern eine aktivere und gestaltendere Rolle zu geben. Das geht laut Pappas bis zu dem Punkt, dass die Nutzer sich ihre Lernumgebung, das „learning ecosystem“, selbst mit erschaffen, über das sie dann auch die Handlungsautonomie haben. Das führt zu Lernsystemen, die sich dem Gebrauch und der Nutzung der Mitarbeiter genau anpassen.

8. Gamification – Futter für den Homo ludens Gamification ist noch einer der Großtrends des Digital Learning, die Pappas hier aufführt und die weit über das Thema LMS hinausreichen. Weil Gamification oft mit Game based-Learning in einen Topf geworfen wird, hier noch einmal kurz eine wichtige Abgrenzung: Gamification bedeutet, Spielmechaniken und Spieltechniken in Kontexte zu bringen, die mit Spielen, auch mit „Serious Games“, außer der „Mechanik“ nichts zu tun haben. Es geht um die Herausforderung, um das Sammeln von Punkten, um das Vervollständigen von Reihen, um Zeugnisse und um Quizzes – kurz gesagt: um den Spaß am Lernen.

9. Social Learning – gemeinsam Lernen macht mehr Spaß
Wie der „70-20-10“-Papst Charles Jennings nicht müde wird zu betonen, findet der relevante Wissenserwerb zu 90 % außerhalb der klassischen Tagungs- und Seminarräume statt. Da liegt es nahe, das Digital Learning in Unternehmen netzwerkfähig und „sozial“ zu machen. Ich persönlich bin, was die „Mitmachquoten“ bei LMS-integrierten Social-Media-Elementen angeht, skeptischer als Pappas, verfolge den Trend aber natürlich weiterhin gespannt.

10. Micro-Learning – man kauft ja auch kein Weizenfeld, wenn man Brot will
Micro-Learning, also die Erstellung und Verwendung von kleinen, kurzen und knackigen Lerneinheiten, ermöglicht es den Mitarbeitern, Informationen und Wissen schneller erhalten und verwerten zu können. Damit lässt sich Micro-Learning besser in den Arbeitsalltag integrieren. Pappas greift damit einen weiteren Mega-Trend auf, den die viele LMS-Anbieter bisher verschlafen haben.

11. Scenario-Based eLearning – Kontext is King
Scenario-Based eLearning transportiert Lernformen wie Rollenspiele und Gruppenarbeiten in die digitale Welt. Damit gehört diese Form zu den aufwändigeren Formen des Digital Learning – ist aber doch weniger aufwändig als „real-life-scenario based learning“. Vorteil: Was so gelernt wird, bleibt länger hängen – das ist nachhaltiges Lernen.

12. Tin Can API – Und tschüss, SCORM
Wenn Christopher Pappas Recht hat, wird der 2012 eingeführte LMS-Standard „Tin Can API“ den alten Standard SCORM verdrängen – mit vielen positiven Konsequenzen: Denn dann können User ihre Lernerfolge festhalten und plattformübergreifend – auch mobil – nutzen (zum Beispiel mobil mit dem Lernen anfangen und am PC fortsetzen). Weiteres Plus: Die Tin Can API macht digitales Lernen im Team möglich.

13. MOOCs  Eine zunehmend etablierte Lernform
Über Massive Open Online Courses muss man nicht viel erzählen – sie setzten sich im akademischen Bereich immer stärker durch und gehören fast schon zu den etablierten Lernformen, nicht zuletzt wegen der knappen Zeit- und Finanz-Ressourcen von Hochschulen. Ungeachtet der Anwendungspotenziale in Unternehmen schreibt Christopher Pappas lapidar: … „ MOOCs ermöglichen es Millionen von Menschen, gleichzeitig und weltweit zu lernen. Angesichts dessen, dass Harvard, das MIT und Georgetown dieses Format verwenden, können wir stark davon ausgehen, dass dieser Trend von Dauer ist.”

14. Just-In-Time Learning – Ich brauch das JETZT!
Die wohl größte produktive Umwälzung, die das Digital Learning mit sich bringt, ist das „Just in time Learning“. Es fegt ein großes Problem der Personalentwicklungs-Verantwortlichen vom Tisch: Präsenzseminare müssen lange im Voraus gebucht werden. Und wenn sie dann endlich stattfinden, ist oft ein Großteil der Teilnehmer krank oder längst mit anderen Aufgaben als den zu trainierenden befasst. Reine Geldverschwendung. Und für die Anwender bedeutet „Just in time Learning“, genau dann Wissen und Informationen zur Verfügung zu haben, wenn sie gebraucht werden. Dieses Wissen wird dann sofort in die Tat umgesetzt – und weil „Tun“ immer noch die beste und nachhaltigste Lernform ist, wird dem „Just in Time Learning“ die Zukunft gehören. Für die LMS bedeutet das die Anforderung, so Pappas, „mobil und flexibel zu sein, um mit JIT Learning kompatibel zu sein.“

P.S.: Für Christopher Pappas war es wohl zu selbstverständlich – unsere Erfahrung zeigt jedoch was anderes. Zukunftspunkt 15 wäre deshalb für mich “Videolearning” – nicht nur aus eigenem Interesse. Damit verbunden die unbedingte Anforderung an LMS, Video verarbeiten zu können.

Und hier die Quelle: Dieser Artikel basiert auf dem Blogartikel “Top 14 Learning Management System Trends for 2014“ von Christopher Pappas auf elearningindustry.com vom 16.04.2014.

 

 

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